Riglasreuth, ein Ortsteil der Gemeinde Neusorg im Landkreis Tirschenreuth (Oberpfalz, Bayern), hat eine lange Tradition im Erzabbau, insbesondere von Brauneisenstein (Eisenerz). Der Abbau war eng mit der wirtschaftlichen Entwicklung des Ortes verbunden und nutzte die natürlichen Gegebenheiten des Fichtelgebirges. Der Bergbau trug maßgeblich zur Siedlungs- und Industrialisierungsgeschichte bei, war aber im 19. Jahrhundert bereits rückläufig und endete weitgehend mit dem Übergang zu moderner Forstwirtschaft und Bahnbau.
Wann wurde der Erzabbau betrieben?
Der Abbau begann bereits im Hochmittelalter, spätestens im 13. Jahrhundert. Die erste urkundliche Erwähnung eines „Hammer Riglasreuth“ (eines Hammerwerks zur Eisenverarbeitung) stammt aus dem Jahr 1283. Dies deutet auf eine etablierte Eisenproduktion hin, die Brauneisenstein aus der Umgebung verarbeitete. Riglasreuth galt damals als eines der wichtigsten Erzabbaugebiete der Oberpfalz. Der Ort wurde um 1061 erstmals urkundlich erwähnt (Schenkung von König Heinrich IV.), und die Siedlung entstand direkt am Fluss Fichtelnaab (historisch „Crumbanaba“), was den frühen Abbau begünstigte.
Der Bergbau blühte vom 13. bis ins 16. Jahrhundert, beeinflusst durch die Nähe zu Handelsrouten (z. B. Altstraße Nürnberg–Eger) und die Verfügbarkeit von Ressourcen. Im 15. Jahrhundert (z. B. 1407) erwarben Adlige wie die Herren von Mengersreuth Grundbesitz, um den Abbau zu intensivieren und eine Burg zu errichten. Ab dem 17.–18. Jahrhundert ließ die Aktivität nach, da ergiebigere Lagerstätten in anderen Regionen (z. B. Erzgebirge) entdeckt wurden und der Übergang zur Industrialisierung einsetzte. Bis ins 19. Jahrhundert gab es vereinzelte Aktivitäten, aber der Fokus verschob sich auf Holzverarbeitung und Forstwirtschaft (z. B. Bauholzbedarf um 1885). Der Abbau endete weitgehend um die Mitte des 19. Jahrhunderts, parallel zum Bau der Fichtelgebirgsbahn (1878) und dem Großfeuer von 1849, das den Ort zerstörte.
Wo wurde der Erzabbau betrieben?
Riglasreuth liegt im Südwesten des Fichtelgebirges, etwa 1,5 km südlich von Neusorg (PLZ 95700), am Fuße des Steinwaldes. Die Koordinaten sind ca. 49°55' N, 11°58' O. Der Ort grenzt an die Fichtelnaab (historisch „Crumbanaba“), einen Fluss, der zentral für den Abbau war. Die Siedlung entstand durch Rodung („-reuth“ = gerodetes Land) in einer waldreichen, hügeligen Landschaft, ideal für Wasser- und Holzressourcen.
Der Abbau konzentrierte sich auf Eisenerzlagerstätten in der näheren Umgebung, insbesondere Brauneisenstein-Vorkommen im Steinwald und entlang der Fichtelnaab. Die Siedler siedelten „direkt am Fluss“, um Wasserkraft für Hammerwerke zu nutzen. Der „Hammer Riglasreuth“ (1283) war ein zentrales Verarbeitungszentrum am Fluss, wo Erz geschmolzen und zu Eisen geformt wurde. Die Burg/Schloss (erbaut ab 1407, heute denkmalgeschützt) diente als administratives und wirtschaftliches Zentrum. Es liegt zentral im Ort (Riglasreuth 51) und markierte den Übergang von Rodung zu Bergbau.
Heute sind keine aktiven Minen vorhanden. Relikte wie das Schloss und der Flussverlauf erinnern an die Geschichte. Der Riglasreuther Viadukt (1877) der Fichtelgebirgsbahn überspannt die Fichtelnaab und symbolisiert den Übergang vom Bergbau zur Moderne.
Bedeutung und Hintergrund
Der Erzabbau machte Riglasreuth zu einem bedeutenden Erzabbaugebiet der Oberpfalz und förderte Handel mit Nürnberg. Er nutzte lokale Ressourcen: Wasser der Fichtelnaab für Energie, Holz aus dem Steinwald als Brennstoff. Der Niedergang hing mit Erschöpfung der Lager, Kriegen (z. B. Dreißigjähriger Krieg) und Konkurrenz zusammen. Heute prägt die Forstwirtschaft die Region, und Riglasreuth ist ein ruhiges Kirchdorf mit ca. 200 Einwohnern.
Aufnahme entstand 2006 und zeigt die Fichtelnaab bei Hochwasser